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Mail an Bernhard Bernhards Seite Schule

Wie viele Seiten, entstand auch diese aus einer Mail mit der Anfrage:

 

"...ah so...lehrer.......

dann sag mir doch mal, wie man einen 14jährigen ,träumerischen Jugendlichen motiviert, Aufgaben zu machen. vor allem dann, wenn er NUR abgrundschlechte Noten nach hause bringt... seufz... ..."

 

Hier meine Antwort:

 

Ich möchte Dir zumindest auf eine Bemerkung antworten: die zu Deinem Sohn (vermute ich). Nicht dass ich Lösungen hätte. Und mein Ratschlag wird Dir wahrscheinlich schon tausend mal gesagt worden sein:

 

Nach meiner Erfahrung hat man nur eine Chance, wenn man herausbekommt, was einen jungen Mann wirklich interessiert. Irgendetwas gibt es immer, man muss es nur finden. Mit der Schule muss das nichts zu tun haben. Wenn man irgendein Interesse findet, kann man das unterstützen und ihn dazu bringen, sich zumindest selbst aktiv damit zu beschäftigen.

 

Ob es dann zu einem Sammeln kommt, zu einer Betätigung (sportlich, musikalisch, handwerklich, kochen, sich informieren im Internet, Lesen, …) wird sich herausstellen. Was es ist, ist ziemlich egal. Wichtig ist nur, dass er sich auf „seinem“ Gebiet sicher wird. Wenn es dann gar noch eines ist, das man vorzeigen kann, mit dem man andere beeindrucken kann, mit dem man Interessenpartner finden kann, um so besser.

 

Wenn ein solcher junger Mann sich so engagiert, werden seine Noten auch auf anderen Gebieten besser. Da kannst Du recht sicher sein. Das ist ein Nebeneffekt, den ich an mir selbst auch festgestellt habe.

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Nun noch zum Trost:

Auch meine Eltern hatten mit mir ähnliche Last: ich war auch verträumt und „stinkfaul“, habe (fast) nichts gelernt, so genannter „Spätentwickler“. Dazu noch Legastheniker, obwohl man in den frühen 50’ern noch nicht einmal das Wort kannte. (Hab’ ich erst als Lehrer herausgefunden, als ich mich mit dem Problem beruflich befassen musste.)

 

Meine Eltern hatten ihre Last mit mir, aber sie haben mir damals meine Leidenschaft, die sich entwickelt hatte, nämlich „Radios“ zu basteln, unterstützt. Nun hatte ich das Glück, dass meine Vater Physiker ist (Wir haben gerade am Samstag seinen 95’sten gefeiert) und selbst kurze Zeit Radios nach dem Krieg gebaut hat, davon gelebt hat. Jedenfalls war ich auf dem Gebiet bald recht fit, fand auch einen Schulkameraden, mit dem ich zumindest reden konnte. Er beschäftigte sich zwar eher mit Modellflugzeugen, aber wir sprachen und probierten auch das eine oder andere gegenseitig aus: ich baute kleine Modelle aus Karton und legte plötzlich meinen Ehrgeiz darein, sie auch fliegen zu lassen, er beschäftigte sich mit Fernsteuerungen.

 

Dann nahm mein Vater mich unter seine Fittiche: Er steckte mich in eine Schule, in der er Lehrer kannte und die sehr engagiert war, die in der Nähe seiner Arbeitsstelle war. Dort fand ich sehr wohlgesinnte Lehrer, die mir Freiheiten ließen und mir Aufgaben stellten: ich wurde „Assistent“ bei unserer Physiklehrerin.

 

Das war auch die Zeit, wo mich die Mädchen ungeheuer interessierten. Ich glaube, ich war mal in fast jedes Mädchen meiner Klasse verliebt. Mit einigen habe ich mich auch mal verabredet. Aber nach einigen Treffs wechselte meist das Interesse, manchmal erst sehr viel später. Eine davon hat mich vor wenigen Jahren im Internet wieder gefunden. Mit ihr stehe ich in unregelmäßigem Kontakt, sie wohnt in den Staaten.

 

In dieser Zeit war ich (veranlasst durch den Vater, wie ich später erfuhr) von unserem Pfarrer angesprochen worden, ob ich nicht eine Jugendgruppe leiten wollte. Ich hatte mir inzwischen neben meinem Geigenunterricht Gitarre beigebracht, wenigstens das Begleiten von Liedern. Das kam mir dabei zu Gute und ich bin mit meinen Buben – dazu gehörte sogar mein kleine Bruder – auf manche große Fahrt gegangen. Wir hatten tolle Erlebnisse, ich hatte Verantwortung, ohne es zu merken.

 

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Als ich mit 17 wieder mal die Schule wechseln musste (diesmal, weil ich dann doch irgendwie die mittlere Reife geschafft hatte), hat sich alles verändert: ich nahm sehr, sehr viel auf, war zwar immer noch faul, hatte aber Lieblingsfächer (Physik, Chemie, Mathematik, Turnen, nicht aber Leichtathletik) wo ich bald die Spitze in der Klasse erreichte.

 

Nur mit den Sprachen haperte es: ich hatte (nach Latein im ersten Jahr, dann die Schule gewechselt) Französisch und Englisch, und in einem von beiden immer eine 6 (bei uns die schlechteste Note).

 

Erst, weil in der Zeit meine Eltern einen Schwarzen aufnahmen und der mit mir im Zimmer lebte, musste ich mit dem französisch sprechen, sein Deutsch war noch etwas holprig. Mein Französisch wurde immer besser, ich konnte bald recht gut sprechen. Mein Französischlehrer merkte das und verließ sich schließlich in der Abiturprüfung auf mein Sprechen. Ich bestand das Abitur wirklich ohne „Bollen“, wie man bei uns im Badischen sagt, also mit zumindest ausreichenden Leistungen, in einigen sogar mit eins.

 

Später habe ich festgestellt, dass ich  doch auch während meiner "faulen" Zeit sehr sehr viel aufgenommen hatte. Ein Beispiel: In der Grundschule habe ich nur geträumt und nur zugehört, was der Lehrer mit den "Grossen" - das waren die Fünft- bis Achtklässler, wir hatten eine später so genannte "Zwergschule" - durchgenommen hat. Da lernte ich u. a. die Berge des Schwarzwaldes. Später in der Schule in Oberhausen fand ich ein altes Heftchen, in dem genau die Skizze war, nach der ich diese Berge immer noch kannte.

 

Ein anderes Beispiel: erst sehr viel später entdeckte ich, welchen ungeheueren Wortschatz man in mich hineingepumpt hatte - wenn auch gegen meinen Willen. Heute bin ich sehr dankbar dafür.

 

Noch ein Beispiel: sogar der Geigenunterricht war mir zeitweise ein Gräuel, musste man da doch dauernd üben. Üben aber macht keinen Spaß. Als ich dann aber mit 50 Jahren einen Kontrabass in die Hand nahm, konnte ich ihn auf Anhieb spielen, als ob ich das Instrument erlernt hätte.

 

So, genug nun aus dem „Leben eines Lausbuben“.

Ich wünsche Dir viel Geduld und Phantasie mit Deinem Sohn. Verlass Dich darauf: der kommt auch noch!

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SeitenanfangSeite erstellt von Bernhard Rawer